Lukas Kwasniok schmeißt Luca Waldschmidt und Florian Kainz zugunsten zweier Talente aus dem Kader des 1. FC Köln. Der FC-Trainer hofft auf einen sofortigen Effekt. Diesen braucht er auch, sonst könnte es schnell eng werden.
Als der 1. FC Köln am Freitag das Trainingslager in La Nucia beendete und sich auf dem Weg von Spanien zurück nach Deutschland machte, waren drei Spieler nicht mit dabei: Luca Waldschmidt und Florian Kainz sowie Dominique Heintz waren vorzeitig aus dem Mannschaftshotel abgereist. Während Heintz angeschlagen war, hatte Lukas Kwasniok mit Waldschmidt und Kainz zwei Spieler aus dem Kader gegen den 1. FC Heidenheim gestrichen.
Für Waldschmidt und Kainz, zwei erfahrene Bundesliga-Spieler, rückten mit Fynn Schenten und Youssoupha Niang zwei vollkommen unerfahrene FC-Talente nach. Freunde des Kölner Nachwuchses und der Talentförderung dürften sich freuen. Doch klar ist auch: Mit diesen Personalien ist Kwasniok direkt zum Beginn des neuen Jahres ins Risiko gegangen.
Kwasniok: „Fußball ist auch Herz“
Kainz ist als ehemaliger Kapitän der Geißböcke der dienstälteste FC-Profi. Der Österreicher ist ein verdienter Spieler, geschätzt für seine reflektierte Art, allerdings läuferisch mit großen Defiziten, die in Kwasnioks Fußballidee durchaus ins Gewicht fallen. Waldschmidt wurde derweil nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Kwasniok gestrichen, nachdem der Spieler seinen Unmut über seine Spielzeit und Rolle im FC-Kader öffentlich zum Ausdruck gebracht hatte.
Diese beiden Entscheidungen zum Ende des Trainingslagers dürfen als klare Zeichen des Cheftrainers verstanden werden. Kwasniok machte damit deutlich, dass er seinen Weg beim FC weitergehen und den Umbruch vorantreiben will, den die Geißböcke im Sommer begonnen hatten. „Du musst deinen Mann stehen“, hatte Kwasniok auf der Pressekonferenz am Donnerstag in La Nucia gesagt. „Fußball ist auch Herz, Mentalität, Zweikampf, sich auch mal einen Cut oder eine Gelbe Karte holen.“
Flüchtet Waldschmidt jetzt aus Köln?
Schon in den vergangenen Monaten hatte Kwasniok immer wieder betont, dass der FC den Fußball in der Bundesliga zunächst arbeiten müsse, ehe Zeit für die Künstler und Feingeister sei. Insbesondere Waldschmidt ist ein solcher Feingeist, aber auch ein Spieler, der in seinen bislang zweieinhalb Jahren beim FC auch häufiger die nötige Konstanz und Härte im Spiel hatte vermissen lassen und dessen Zukunft beim FC immer wieder – auch von ihm selbst – hinterfragt worden war.
Beim FC wollte man die Nicht-Nominierung für den Kader zunächst nicht öffentlich bestätigen oder kommentieren. Doch intern soll es erst einmal nur ein einmaliger Denkzettel sein. Klar ist aber auch: Im Januar-Transferfenster kann viel passieren, und sollte das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler gelitten haben, wäre in den restlichen drei Wochen bis zum Ende der Wintertransfers alles möglich: auch ein Abschied Waldschmidts, dessen Vertrag noch bis 2027 läuft.
Das sagt Kessler zu Kwasniok
Nach diesen Entscheidungen braucht Kwasniok nun kurzfristig Erfolgserlebnisse. Die Entscheidungen des Trainers waren die Bestätigung der angespannten Stimmung beim FC, die im Trainingslager greifbar gewesen war und über die der GEISSBLOG bereits berichtet hatte. Kwasniok ist nicht mehr unumstritten, in Teilen der Mannschaft (vor allem bei Spielern, die schon länger beim FC sind) hat sich Unzufriedenheit breit gemacht. Diese Situation lässt sich nur durch Siege entschärfen.
Sportdirektor Kessler hatte sich am Donnerstag klar hinter den 44-Jährigen gestellt. „Ich sehe Lukas unverändert. Er ist sehr kommunikativ, wir sind in einem guten Austausch und ich finde, dass er auch in einem guten Austausch mit der Mannschaft und dem Staff ist“, sagte Kessler – allerdings noch vor den beiden Kader-Entscheidungen. Dann aber machte Kessler auch deutlich, dass es nun Siege bräuchte: „Es liegt in der Natur der Sache, dass man den Trainer mehr beobachtet, wenn die Siege ausbleiben. Ich bin lange genug dabei, um den Standort zu verstehen. Am Ende steht und fällt es sowieso mit dem, was auf dem Platz passiert.“
Kwasniok ist persönlich ins Risiko gegangen
Kessler bat die FC-Fans um Geduld. „Ich kann nur daran appellieren, die Situation realistisch einzuschätzen. Natürlich ist es im unteren Tabellendrittel eng und du musst punkten, um nicht unten reinzurutschen. Dass der ein oder andere Kölner aufgrund des Erlebten der letzten Jahrzehnte schneller nervös wird, ist für mich auch völlig normal. Dennoch ist es wichtig einzuordnen, was wir in der täglichen Arbeit leisten. Die Leute werden sich schnell wieder freuen, wenn wir gute Spiele machen und punkten. Vor einem Jahr hätten wir die Tabellensituation alle so unterschrieben.“
Kessler kennt den FC und das Umfeld in- und auswendig. Holen die Geißböcke aus den Spielen gegen Heidenheim, Bayern und Mainz vier oder mehr Punkte, ist der FC mit Kwasniok wieder halbwegs auf Kurs. Dann dürfte sich der Chefcoach in seinen Entscheidungen bestätigt fühlen und neuen Rückenwind erhalten. Gelingt jedoch in der nächsten Woche – insbesondere gegen die beiden Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt – kein Sieg, wird es am Geißbockheim ungemütlich werden. Auch, weil Kwasniok mit seinen Kader-Entscheidungen persönlich ins Risiko gegangen ist.








Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!