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Brot und Spiele: Hauptsache, der Rubel rollt weiter

Auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wird ein Sprengstoff-Anschlag verübt. Aber für die Verbände und Funktionäre ist klar: Die Spieler halten das aus. Die Partie direkt am nächsten Tag nachzuholen? Kein Problem. Hauptsache, der Zirkus geht weiter. Ein Kommentar.

Die Entscheidung, dass die Dortmunder keine 24 Stunden nach einem Anschlag auf ihr Leben wieder zum Fußballspielen gezwungen werden, zeigt: Die Profis von heute sind für FIFA, UEFA und DFB nur noch moderne Gladiatoren. Sie kämpfen, wenn man es ihnen sagt. Solange sie körperlich fit sind, werden sie in ihre Trikots gesteckt, in die Arenen gescheucht und das Volk jubelt ihnen zu. Panem et circenses – Willkommen in der Welt des Alten Roms.

Egal, wer unter das Rad des Kommerzes gerät

Egal ob in der Bundesliga, im Pokal, auf europäischer oder der Weltbühne. Egal ob Pflichtspiel, Test- oder Freundschaftsspiel, Marketing-Reise oder bei irgendwelchen erfundenen Pseudo-Wettbewerben, die Alibi-Ernsthaftigkeit und Rivalität vortäuschen sollen. Hauptsache, am Ende reckt eine Mannschaft einen mehr oder weniger bedeutungsvollen Pokal in die Höhe (und in die Fernsehkameras) – und im Hintergrund reiben sich die Funktionäre die Hände.

Dass die Spieler von Borussia Dortmund, teilweise noch nicht einmal dem Teenager-Alter entwachsen, nur einen Tag später wieder auf den Fußballplatz gezerrt werden, obwohl sie das Erlebte nicht ansatzweise verarbeitet (oder überhaupt realisiert) haben können, ist ein Skandal. Und dass sich Funktionäre und Verbandsträger auch noch in der Öffentlichkeit hinstellen und davon sprechen, die Spieler müssten „professionell damit umgehen“, dürfte in den Ohren der betroffenen Kicker wie Hohn klingen. Das Einzige, was die Funktionäre interessiert, ist der Fortgang des Spiels und das Drehen an immer größeren Rädern. Egal, wer dabei unter genau diese gerät und liegen bleibt.

Wie denkt Ihr darüber? Diskutiert mit!


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  1. Pitter

    Ich kann die genannten Argumente sehr gut nachvollziehen. Ähnliches ging mir auch durch den Kopf, bin da aber dennoch etwas zwiegespalten.
    Es dürfte offensichtlich sein, dass sich bei diesem Angriff um einen Terroranschlag handelt, dessen Ziel ist, den Staat in einen Ausnahmezustand zu versetzen – unabhängig davon, von welcher Organisation der Anschlag tatsächlich verübt wurde. Das beste Mittel gegen solche Anschläge ist, so schnell wie möglich wieder in einen geregelten Alltag zurückzufinden. Nur so kann man solchen Anschlägen die zugedachte Wirkung nehmen.

    Die berechtigte Frage bleibt aber: Wie lange brauchen die Spieler, um den Vorfall zu verarbeiten?
    Aber auch: Hilft den Spielern das Spiel womöglich, um den Kopf wieder frei zu kriegen und den Vorfall schneller und besser zu verarbeiten?

    Ich gehe davon aus (bzw. ich will es hoffen!), dass der BVB gute Psychologen holt, um die Spieler zu betreuen. Die Kosten hierfür dürften bei einem Verein wie dem BVB problemlos verkraftbar sein. Ich würde hoffen, dass solche Psychologen ein Mitspracherecht hatten, wann das Spiel nachgeholt wird. Die Tatsache, dass der Nachholtermin so schnell bekannt gegeben wurde, spricht leider nicht dafür…

    Aber auch wenn man es ganz nüchtern wirtschaftlich betrachtet, muss es doch im Interesse des BVB sein, dass das Nachholspiel erst stattfindet, wenn die Spieler psychisch dafür bereit sind. Wenn sie es nicht sind und deshalb aus dem eigenen Stadion geballert werden, wäre das doch auch wirtschaftlich bedenklich für den BVB. Eine Verzögerung um mindestens eine Woche sollte ja wohl problemlos vor einem Sportgericht durchsetzbar sein.
    Dass der BVB aber offensichtlich selbst einen möglichst frühen Wiederholungstermin wünscht, spricht (hoffentlich!) dafür, dass die Spieler tatsächlich bereit dafür sind.

  2. Nana

    Es fällt mir schwer zu glauben, dass es wirklich eine Abstimmung seitens der Mannschaft gab und sie sich, nur eine Stunde nach dem Ereignis, geschlossen dafür ausgesprochen hat in 24 Stunden wieder anzutreten.

  3. Kölsche Ziege

    Sehr guter Kommentar.
    Das einzig Positive am schnellen Nachholtermin ist, dass die Auswärtsfans, die nicht schon wieder heimgekehrt sind, nicht zweimal anreisen müssen.
    Für mich trotzdem zu früh. Wobei ich auch nicht wüsste, wieviel Zeit die Spieler zum Verarbeiten bräuchten.
    Gruß
    philtek

  4. Klio

    Die psychischen Belastungen durch einen Anschlag haben auch körperliche Auswirkungen: Dass die Spieler in der Nacht, nachdem sie einen Mordanschlag überlebt haben, auch nur stundenweise geschlafen haben könnten, ist kaum vorstellbar. Dann Hochleistungssport betreiben zu müssen, ist allein körperlich eine Zumutung. Aber die Entscheidung war: entweder spielen oder direkt aus dem Wettbewerb ausscheiden (und so sich selber und den Verein noch zusätzlich zu schädigen) – und das in einer psychischen Ausnahmesituation. Die Spielansetzung war eine einzige Zumutung.

  5. Klaus

    Das ganze Prozedere ist unverantwortlich. Was heißt schon: „Spieler müssten „professionell damit umgehen“? Professionell kann man nur mit Situationen umgehen, die man vorher einstudieren und trainieren konnte. Ich gehe aber davon aus, dass ein Terrorangriff auch beim BVB nicht zu den Trainingsinhalten gehört. Professionalität sollten die Herren Funktionäre mal lieber an den Tag legen und mit einer solchen Situation verantwortungsvoll umgehen. Das Spiel hätte deutlich verschoben werden müssen. Zu den Funktionären zähle ich die UEFA, das Management vom BVB Und auch von Monaco. BVB hätte auf ein Antreten verzichten sollen und Monaco aus Fairplay Gründen gleich mot, wenn die geldgierigen UEFA Kader das nicht hinbekommen.


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