Ausbau oder Neubau? Stadion-Debatte führt zu Reiberereien


Wie könnte das RheinEnergieStadion aussehen, wenn es erst einmal auf 75.000 Zuschauer ausgebaut ist? Diese Frage stellen sich die Fans des 1. FC Köln, die Anwohner und die Politik. Ein Architekturbüro soll dies nun klären. Der Auftrag sorgt für Verstimmung.

Köln – Bleiben die Pylonen erhalten? Wie weit müsste das Dach des RheinEnergieStadions angehoben werden, um einen weiteren Oberrang zu montieren? Hielte die bisherige Konstruktion die zusätzliche Belastung überhaupt aus? Oder würde das Stadion strukturell verändert, gar ohne die Pylonen und dafür mit geschlossenen Ecken?

Ergebnisse der Studie bis Anfang August

Diese Fragen sind aktuell noch nicht beantwortet. Klar ist bislang nur, dass die Sportstätten GmbH zur Prüfung dieser Fragen das Büro des Stararchitekten Albert Speer beauftragt hat. Das Brisante daran: Speer wurde gleichzeitig auch vom Effzeh beauftragt, in einer alternativen Studie nach möglichen Standorten in Köln für einen Neubau zu suchen.

Das RheinEnergieStadion in Müngersdorf erleuchtet in Rot und Weiß. (Foto: MV)

Ein Interessenkonflikt? Den wittert jedenfalls nun die SPD. Fraktionschef Martin Börschel formulierte die Frage, ob solche Untersuchungen „wirklich ergebnisoffen durchgeführt werden können“ und nannte es eine mindestens „unglückliche Konstellation“. Der 1. FC Köln will sich bis zum Abschluss der von ihm beauftragten Studie nicht mehr öffentlich äußern. Die Ergebnisse der Studie für einen potentiellen Neubau könnten schon Anfang August vorliegen. Dann gäbe es eine Grundlage für weitere Gespräche.

Fans kontra Verband und Effzeh

Es ist zu erwarten, dass Speer ähnlich vorgehen wird wie in Berlin. Dort hatte der Architekt für Hertha BSC eine ähnliche Studie vorgenommen und dem Klub am Ende zwei Standorte für einen Neubau vorgeschlagen: einen in Berlin und eine am Stadtrand, knapp außerhalb der Stadtgrenze. Das Signal der Berliner an die Stadtverwaltung sollte lauten: Genehmigt uns den Bau in der Stadt, dann bleiben wir euch erhalten!

Ob der Effzeh den gleichen Weg geht oder die Studie gar nur als Druckmittel verwendet, um in Müngersdorf zu bleiben? Gleichzeitig könnte das neue Stadion als Austragungsort für die EM 2024 eine Rolle spielen. Zumindest ein Teil der Fans hat sich inzwischen klar positioniert: kein Neubau, Verbleib in Müngersdorf, keine EM. Der Kurs passt zum Verhältnis der Anhänger zum DFB: gegen Kommerzialisierung, gegen den Verband. Und aktuell wohl damit auch gegen die Pläne des Effzeh, denn ein Ausbau des RheinEnergieStadions erscheint politisch und mit Blick auf die Bürgerbegehren kaum durchsetzbar.


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